Informationen

Ausgangspunkt der Tagung ist die aktuelle Konjunktur der gestalterischen und künstlerischen Forschung, die durch ihre bisweilen unkonventionellen Arbeitsweisen und ihr ›kreatives‹ Verständnis von Methoden sowohl in etablierten Wissenschaftsfeldern als auch in hochschulpolitischer Hinsicht für Unruhe und Kritik gesorgt hat. Dabei spielen in den Methodendiskussionen dieser neuen Forschungszweige Metaphern der Unordnung, der Unschärfe, des Chaos sowie der Nicht-Linearität eine zentrale Rolle. Zum einen sollen damit bestimmte Charakteristika (und Mythen) kreativer Produktionsprozesse akzentuiert werden, zum andern schließen diese Debatten aber auch an eine Tradition wissenschaftlicher Methodologien des 20. Jahrhunderts an, in denen die unordentlichen oder unregelmäßigen Prozesse der Forschung sowie deren Schnittstellen zu gestalterischen Praktiken thematisiert wurden. So finden sich schon Anfang des 20. Jh. etwa bei Fleck oder Bachelard entsprechende Beschreibungen der wissenschaftlichen Praxis, die dann vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jh. durch Ansätze wie »Anything goes« (Feyerabend), »Bricolage« (Lévi-Strauss, Derrida), »Parasiten« und »Gemenge« (Serres, Latour) oder »Politics of mess« (Law) fortgesetzt wurden. Ihnen gemeinsam ist die Überzeugung, dass Elemente des Unordentlichen in Forschungsprozessen weder Sekundärphänomene darstellen, noch zu vermeiden oder durch szientifische Hygienemaßnahmen sofort wieder zu beseitigen sind. Ihr Vorkommen wird vielmehr als konstitutiv angenommen, sodass in jedem Fall mit einem Forschungsgeschehen zu rechnen ist, in dem sich Phasen ganz unterschiedlicher Ordnungsgrade in einem unvorhersehbaren und ergebnisoffenen Verlauf ereignen.

Die Tagung nimmt sich vor, diese Diskussionen, die in jüngerer Zeit bereits von der Wissenschaftsforschung und der Historischen Epistemologie angestoßen wurden, aufzugreifen und mit kritischem Blick auf gestalterische und künstlerische Forschungspraktiken zu intensivieren. Ihre Absicht ist es, aus der Konfrontation von Ordnung vs. Unordnung auszubrechen und stereotype Dichotomien von Kunst und Wissenschaft zu umgehen, um stattdessen flexible, angepasste und wechselhafte Beschreibungsmöglichkeiten des Forschens frei zu geben.

Programm

Freitag, 25. Oktober 2013
13.00Begrüßung und Einführung
Matthias Leupold (Rektor BTK)
Claudia Mareis (Basel)
Christof Windgätter (Berlin)
Moderation Christof Windgätter
13.30Max Stadler (Zürich)
Vom ›problem-solver‹ zum ›bricoleur‹

Konstruktionen des kreativen (wissenschaftlichen) Geistes, 1960/1990
14.30Nina Wiedemeyer (Berlin)
Provisorisches Denken
15.30Kaffeepause
Moderation Peter Koval
15.45Moritz Greiner-Petter (Basel)
Precise Ambiguities
Denkwerkzeuge zwischen Ordnung und Unordnung
16.45Friedrich von Borries (Hamburg)
Irgendetwas über aktuelle Projekte –
wahrscheinlich RLF und WVM
17.45Apéro
Moderation Yana Milev
18.15Walter Seitter (Wien)
Physik des Daseins
Von ganz bekannten Dingen
19.45Abendessen der Vortragenden und ModeratorInnen im Gasthaus Renger-Patzsch (Wartburgstr. 54, Schöneberg)
Samstag, 26 Oktober 2013
Moderation Monika Wulz
9.00Philipp Felsch (Berlin)
Das Unbehagen der Suhrkamp-Kultur
10.00Friedrich Weltzien (Hannover)
Kleckern, Kritzeln, Schmieren
Kreativität und Epistemologie der unwillkürlichen Spur
11.00Kaffeepause
Moderation Susanne Hauser
11.15Stefan Wellgraf, Anja Schwanhäußer (Frankfurt/Oder)
Ethnografischer Surrealismus
12.15Bernd Kräftner (Wien)
Komödie der Irrtümer, oder:
Wie erforsche ich ein Syndrom?
13.15Mittagessen
Moderation Thomas Noller
14.15Shintaro Miyazaki (Basel)
Wilde Oszillationen

Der Chua-Schaltkreis als operatives Modell für Geschichte
15.15Nicole Stöcklmayr (Lüneburg)
Evolutionäre Prozesse im Computational Design
16.15Kaffeepause
Moderation Mirjam Wittmann
16.30Sebastian Vehlken (Lüneburg) 

Schräge Vögel

Computersimulatorische Hegungen von Wild Things in der Ornithologie
17.30Ende der Tagung