Tagung Wild Thing - Unordentliche Prozesse in Design und Wissenschaft // Call for Papers

25.–26. Oktober 2013

CALL FOR PAPERS
Einsendeschluss: 30. April 2013
Die Veranstalter bitten um Abstracts von 1–2 Seiten via eMail

Die Tagung stellt die Folgeveranstaltung des 2010 in Bern organisierten Workshops »Long Lost Friends: Zu den Wechselbeziehungen zwischen Design-, Medien- und Wissenschaftsforschung« dar (publiziert 2013 bei Diaphanes).

Konkreter Ausgangspunkt ist diesmal die aktuelle Konjunktur der gestalterischen und künstlerischen Forschung, die durch ihre bisweilen unkonventionellen Arbeitsweisen und ihr ›kreatives‹ Verständnis von Methoden sowohl in etablierten Wissenschaftsfeldern als auch in hochschulpolitischer Hinsicht für Unruhe und Kritik gesorgt hat. Dabei spielen in den Methodendiskussionen dieser neuen Forschungszweige Metaphern der Unordnung, der Unschärfe, des Chaos sowie der Nicht-Linearität eine zentrale Rolle. Zum einen sollen damit bestimmte Charakteristika (und Mythen) kreativer Produktionsprozesse akzentuiert werden, zum andern schließen diese Debatten aber auch an eine Tradition wissenschaftlicher Methodologien des 20. Jahrhunderts an, in denen die unordentlichen oder unregelmäßigen Prozesse der Forschung sowie deren Schnittstellen zu gestalterischen Praktiken thematisiert wurden. So finden sich schon Anfang des 20. Jh. etwa bei Fleck oder Bachelard entsprechende Beschreibungen der wissenschaftlichen Praxis, die dann vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jh. durch Ansätze wie »Anything goes« (Feyerabend), »Bricolage« (Lévi-Strauss, Derrida), »Parasiten« und »Gemenge« (Serres, Latour) oder »Politics of mess« (Law) fortgesetzt wurden. Ihnen gemeinsam ist die Überzeugung, dass Elemente des Unordentlichen in Forschungsprozessen weder Sekundärphänomene darstellen, noch zu vermeiden oder durch szientifische Hygienemaßnahmen sofort wieder zu beseitigen sind. Ihr Vorkommen wird vielmehr als konstitutiv angenommen, sodass in jedem Fall mit einem Forschungsgeschehen zu rechnen ist, in dem sich Phasen ganz unterschiedlicher Ordnungsgrade in einem unvorhersehbaren und ergebnisoffenen Verlauf ereignen.

Die Tagung nimmt sich vor, diese Diskussionen, die in jüngerer Zeit bereits von der Wissenschaftsforschung und der Historischen Epistemologie angestoßen wurden, aufzugreifen und mit kritischem Blick auf gestalterische und künstlerische Forschungspraktiken zu intensivieren. Ihre Absicht ist es, aus der Konfrontation von Ordnung vs. Unordnung auszubrechen und stereotype Dichotomien von Kunst und Wissenschaft zu umgehen, um stattdessen flexible, angepasste und wechselhafte Beschreibungsmöglichkeiten des Forschens frei zu geben. 

In diesem Sinne suchen die Tagungsveranstalter nach Vertreter/innen aus den verschiedensten Disziplinen, die sowohl theoretische als auch praktische Vorträge bzw. Präsentationen beitragen können. Gefragt sind Nachwuchswissenschaftler/innen und etablierte Forscher/innen mit fortgeschrittenen Arbeiten oder work-in progress-Konzeptionen zum Thema.

Organisation:

Prof. Dr. Christof Windgätter
Kontakt: c.windgaetter@btk-fh.de 

Prof. Dr. Claudia Mareis
Kontakt: claudia.mareis@fhnw.ch

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