• News 2019_05_09 Interview

Fotografie in Island: Ein Interview mit Prof. Heike Ollertz

Heike Ollertz, Professorin Studiengang Fotografie und Dekanin Art & Design, reist seit dem Jahr 2010, unter anderem für den mare Verlag, GEO, Lufthansa Magazin und andere Redaktionen, regelmäßig nach Island. In dieser Zeit nahm sie auch Veränderungen des Landes wahr, die unter anderem vom zunehmenden Tourismus herrühren. In einer neuen Publikation und in einer Ausstellung im Rahmen der Langen Nacht der Museen in Hamburg erhalten Interessierte detaillierte Eindrücke über die sich wandelnde Insel.

Im Interview erzählt Prof. Heike Ollertz von ihren Beweggründen, sich mit dem beschriebenen Themenfeld auseinanderzusetzen:

Was waren Ihre Eindrücke bei Ihrer ersten Islandreise 2010? Haben Sie beispielsweise damals einen Lieblingsort gefunden?
Es war tiefster Winter als ich das erste Mal auf der Insel gelandet bin. Der Flughafen in Keflavik war damals noch menschenleer – ein Ort der Ruhe.
Ich war tief beeindruckt von den Naturgewalten, den meterhohen Wellen am schwarzen Lavastrand, der Südküste und von den Nordlichtern über dem  See Myvatn.
Ein Lieblingsort war das Kap Dyrhólaey an der Südküste. Oben auf dem Kap steht ein Leuchtturm, der damals noch unbewohnt war. Von dort reichte mein Blick bis zu den Westmänner Inseln im Westen. Im Süden reichten die menschenleeren Lavastrände bis an den Horizont, und im Nordosten erhob sich der größte Gletscher Islands.

Welche Momente waren es, die Ihnen gezeigt haben, dass Island sich seit Ihrer ersten Reise stark verändert hat?
Dies wurde mir klar, da sich viele der Orte, die ich für den mare-Verlag fotografiert hatte, stark verändert hatten. Zum Beispiel werden einige der großen Wasserfälle jetzt in der Nacht beleuchtet. Hinzu kommt, dass große Parkplatzanlagen und Souvenirshops in unmittelbarer Nähe der Sehenswürdigkeiten erbaut wurden, um die wachsende Anzahl der Reisebusse, Autos und Touristenströme zu bewältigen. Als ich das erste Mal die Insel umrundet habe, gaben mir die Isländer gutgemeinte und wertvolle Warnungen bezüglich der Gefahren durch Wind und Wetter mit auf den Weg: „Wir können nicht überall Warnschilder aufstellen, Island sähe aus wie ein Schilderwald“. Heute sind Hinweisschilder mit Warnungen und Verbotsschilder allerorts zu sehen.

Was war der Auslöser für Sie, sich mit dem sich verändernden Island in einem Forschungsprojekt auseinander zu setzen?
Als ich 2016 die erste Exkursion mit Studierenden nach Island unternommen habe, war die Gruppe, wie auch viele der Touristen, die wir unterwegs trafen, häufig damit beschäftigt sich gegenseitig aus dem Bild zu bitten. Das war der Anlass für mich über die Veränderungen der Landschaftsbilder auf Island sowie über die Veränderungen in unserer Wahrnehmung von Landschaft nachzudenken – angefangen bei der Frage, warum diese Sehnsucht nach unberührter Natur so stark zunimmt und der Hinterfragung des „schönen Bildes“.

Welche Aspekte behandelt die neue Publikation Human Traces in Landscapes, bei der Sie Mitherausgeberin sind?
Verzeichnete Island im Jahr 2010 erst knapp 500 000 Besucher, so waren es 2016 bereits 1,8 Millionen Dieses Jahr dürften gegen 2,5 Millionen Touristen gezählt werden. Alle brauchen sie Unterkunft und Verpflegung, suchen Unterhaltung, unternehmen Ausflüge, buchen Mietwagen, Inlandflüge und Bustickets – sie stellen Ansprüche an einen Wirtschaftsraum, der selber lediglich 340 000 ständige Einwohner hat. Reisegruppen werden in angeleiteten Touren an Orte gebracht, wo sie ihr Umfeld häufig nur noch auf den Displays ihrer i-Pads, Mobiltelefone oder durch den Sucher ihrer Kameras in Schnappschüssen wahrnehmen. Landschaften werden durch die Existenz der Menschen, die in ihnen agieren und wirken gestaltet. Der Tourismus formt und verändert die Landschaft und ihre Wahrnehmung.

Der Fisch galt für lange Zeit als das Gold Islands. Inzwischen hat der Tourismus den Fisch überholt. Aber was bedeutet er für das kleine Land? Welche Auswirkungen hat er auf die Natur und auf die Wahrnehmung von Landschaft? Diesen Fragen sind wir während unserer Studienreise mit 26 Student*innen aus drei Studiengängen und sieben Nationen im November des letzten Jahres nachgegangen. Von den Ergebnissen können Sie sich in dieser Publikation und der dazugehörigen Ausstellung selber ein Bild machen.

Welche Hinweise möchten Sie Island-Reisenden mit auf den Weg geben?
Seid vorsichtig und bereitet Euch gut auf Eure Reise vor. Wind- und Wetterwarnungen sollten unbedingt ernst genommen werden. Bleibt auf den Wegen und achtet die Anweisungen der Parkranger und Hinweisschilder. Werft Euren Müll nicht in die Landschaft und lasst Eure Regenschirme zu Hause. Der Wind auf Island ist zu stark und sie landen nur verbogen im Meer.

Die Ausstellung Human Traces in Landscapes wird im Rahmen der Langen Nacht der Museen am Samstag, 18. Mai 2019, eröffnet und endet am Freitag 24. Mai. Lesen sie hier mehr zum Thema.

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