• News 2018_10_18 Erfolgsgeschichte Regina Mayr

Erfolgsgeschichte Regina Mayr

Regina Mayr hat Illustration am Campus Hamburg studiert. Wir haben sie zum Interview getroffen:​

Sie haben Illustration am Campus Hamburg der University of Applied Sciences Europe erfolgreich mit dem Bachelor abgeschlossen. Es gibt in Hamburg viele Hochschulen, die einen künstlerisch geprägten Zweig bieten. Warum haben Sie sich damals für die University of Applied Sciences Europe entschieden?

Ich kam im Februar 2015 zusammen mit meinem Mann aus Irland nach Hamburg, hatte gerade meinen dortigen Job und eine Heimat von beinahe sieben Jahren Dauer mit vielen internationalen Freunden verlassen und hatte das Gefühl, dass mit dem Umzug, der für mich unverbrauchten Umgebung und dem Angesparten jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt wäre, meiner eigentlichen Leidenschaft der Kunst nachzugehen. Hamburg hat ja viele Angebote in dem Bereich. Ich bin einer von den Menschen, dessen Eltern es eigentlich nur gut meinten und mir zu einem „richtigen“ Job rieten. Zeichnen könne ich auch in meiner Freizeit. Dass jedoch viel Freizeit und Entfaltungsmöglichkeit zwischen Arbeit, Schlafen, Freunde, Essen etc. nicht mehr übrigbleibt, war uns allen zu Beginn gar nicht so bewusst. Und irgendwann merkt man das noch einmal mehr, wenn der Job nicht mehr so erfüllt, wenn man abends und am Wochenende da sitzt und über Änderungen im Leben grübelt. Jedenfalls hier in Hamburg angekommen, sah ich etliche Angebote und darunter war auch das der University of Applied Sciences Europe. 
Es gab einen Infoabend bei dem ich war. Ilona Klück hatte damals noch die Leitung  und für mich und meine Fragen, meine Zweifel ob ich ein Studium schaffen könne Zeit. Ich stand nämlich auch da und wusste nicht, ob ich es wirklich, wirklich wagen sollte. Aber wenn nicht jetzt, wann dann? Die Hochschule kam angenehm locker rüber, das mochte ich. Dass es kleine Kursgruppen gab, fand ich beruhigend, denn so hatte man vielleicht mal die eine oder andere Minute mehr Zeit für Fragen an den Kursleiter. Auch der Standort sprach für sich. Bei anderen Hochschulen/Unis hatte ich die Befürchtung, dass bis zum Start ich nicht mehr den Mut hätte, weil ich mir für den Übergang einen Job gesucht hätte. Die Komfortzone von Beständigkeit und Gehalt dann nochmal zu verlassen, wer weiß ob ich das hinbekommen hätte. Dass die UE auch im April startet, kam mir daher sehr entgegen. Während die Umzugskisten langsam entleert wurden, füllte sich meine Mappe mit Werken. Das Bewerbungs- und Mappengespräch kam alles ganz fix aufeinander. Meine Mappe und ich konnten überzeugen und ich wurde gefragt, ob ich es denn schaffen könne, in wenigen Wochen mit dem Studium zu starten. Wow, ich hatte es geschafft, die wollten mich alten Hasen wirklich? Die haben in meiner Mappe und mir etwas gesehen, das sie überzeugt? “Dafür bin ich hier!” war ungefähr meine Antwort. Und dann ging das Abenteuer am 1. April los.

Am Campus Hamburg war immer was los: z. B. Auslandssemester, Praktika und Ressortarbeit. Welches Studien-Erlebnis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Der Bachelor natürlich! Eigentlich ein absoluter Ausnahmezustand aber wiederum genau das, was ich die ganze Zeit schon angewandt, geübt, gelernt hatte. Nur intensiver und fokussierter. Meine Lerngruppe trug auch viel dazu bei, wir wuchsen aneinander und miteinander, halfen uns auf, haben gemeinsam gelacht oder uns getröstet, aber beständig vorwärts gepusht. Das Umfeld der Hochschule bot die richtige Menge an Freiheit aber auch Rücksprachemöglichkeit mit den Betreuern, wenn mal Fragen aufkamen. Selbst Professoren und Dozenten, die nicht direkt mit unserer Abschlussarbeit in Verbindung waren, haben uns ihre Hilfe angeboten. Das Semester war im Nachhinein viel zu schnell vorbei. Es war eine tolle Erfahrung und ein wunderschöner, sommerlicher Abschluss!

Die Studierenden haben einen Slogan gewählt. „Create your story. Inspire the world.“ Welche Erfahrungen aus Ihrem Studium unterstützten Sie darin, Ihren ganz persönlichen Karriereweg einzuschlagen? Was hat Sie zu diesem Weg inspiriert?

Da sind schon zwei Schlagwörter drin, die genau auf den Punkt bringen, was ich mit meiner Kunst ausdrücken möchte. Ich erzähle einfach gern Geschichten mittels Bildern; welche die zum Nachdenken anregen, welche die Freude bereiten, bezaubern, inspirieren. Viele Techniken, die ich hier gelernt habe, wie Monotypie, Collage, Mischtechniken, waren Wegbereiter, gaben mir das richtige Werkzeug in die Hand. Kurse, die mir die Möglichkeit gaben, mich intensiver mit einem Thema zu befassen – wie der Comic-Kurs oder Editoriale Illustration, Animation und Texten – halfen mir, eine Aufgabe mal von A bis Z durchzuarbeiten. Denn erst wenn man bis zum Schluss kommt, weiß man um die eigenen Problemzonen, die ganzen Herausforderungen und Tücken, die man natürlich bei der Bachelorarbeit dann vermeiden möchte und kann. Jedenfalls habe ich während des Studiums gemerkt, was mir liegt, wo meine Gewässer sind und wie ich mich in diesen fortbewegen kann, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. 

Geschichten erzählen begleitet uns ja schon seit unserer Kindheit. Ich habe schon immer gern Leuten zugehört, Geschichten aufgesogen und die Augen auch für kleine Dinge offengehalten. Das künstlerisch umsetzen zu können, war und ist mein Ziel.

Erzählen Sie uns von einem Beispiel Ihrer Studienzeit, bei dem es sich gelohnt hat, bekannte Pfade zu verlassen / über eigene Grenzen hinauszugehen? Was hat Sie dabei unterstützt?

Das Abschluss-Projekt für den Comic-Kurs hat mir Kopfzerbrechen bereitet. Ich habe in den Kursen davor größtenteils digital gearbeitet. Das ging schneller für mich, dort hatte ich alle bekannten Tools. Aber ich brauchte was Haptischeres, das wollte mir die Geschichte abverlangen, das brauchte die Geschichte um wirken zu können. Mit meinen digitalen Kenntnissen wurde ich mir und meiner Geschichte nicht gerecht. Ich saß lange da, hab Skizzen gemacht, Ideen entwickelt und von einer Seite auf die andere gerollt. Da war in mir eine Blockade, die zuerst gebrochen werden musste: die Angst analog nicht so gut arbeiten zu können wie digital. Da kann man ja alles weg machen, neu starten, auf unterschiedlichen Ebenen arbeiten, Texturen austauschen und, und, und. Analog darf dir der Tee nicht auslaufen, die Katze nicht drüber laufen (wobei beides sicher auch recht lustig sein könnte), das Papier nicht knicken, da muss der Strich sitzen oder falls nicht, muss es trotzdem gut wirken. Du musst letztendlich mit der Seite zufrieden sein oder noch mal neu starten. Und dann nahm ich den analogen Stift in die Hand. Das Werk wurde ein wichtiger Wegbereiter für meine Bachelorarbeit und für mich eine der liebsten Arbeiten, die in der ganzen Studienzeit entstanden sind. Ich musste mich nur trauen und mir vertrauen, dann hat es geklappt.

Sie haben ursprünglich eine Ausbildung zur Ergotherapeutin gemacht und dann für einige Jahre erfolgreich für ein international agierendes Unternehmen in einem ganz anderen Bereich gearbeitet. Was hat Sie dazu bewegt, sich doch noch für ein gestalterisches Studium zu entscheiden? Erzählen sie uns von diesem Prozess.

Ja, genau. 

Die Ergotherapie war damals für mich der Kompromiss zwischen Kunst und „einer Ausbildung zu einem Job, den man immer brauchen und nutzen kann”. Mein Mann hat nach seinem Studium allerdings eine Stelle in Irland gefunden. Dort ist die Ergotherapie jedoch ein Studium und mit meiner Berufsfachschulausbildung hatte ich dort Anerkennungsprobleme. Allerdings gab es für deutsch/englisch-sprachige Menschen viele Angebote, die gut klangen. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, ungefähr ein Jahr dort zu bleiben und dann weiterzusehen. Aus einem Jahr wurden dann fast sieben – fast über Nacht. In der Firma in der ich gearbeitet habe, kam ich mit ein paar sehr tollen und freundlichen Künstlern in Kontakt. Scheu wie ich war, mussten mich Leute dazu treten, sie um ihre Meinung zu meinen Werken zu bitten. Die fanden meine Arbeiten dann – ganz ehrlich – sehr toll, wie auch mein gesamtes Umfeld dort. Unglaublich. Oft wurde ich gefragt, ob ich das nicht viel lieber ernsthaft machen wollte. Steter Tropfen höhlt den Stein und so wuchs in mir, bestärkt durch das Feedback der Künstler, die Zuversicht heran, daraus mehr machen zu wollen. Also habe ich angefangen Geld zu sparen. Zufälliger Weise bekam mein Mann ein Angebot aus Hamburg und die große Frage stand im Raum, ob wir das Abenteuer wagen wollten, was ich dann machen wollte und ob wir das alles schaffen. Die Antworten darauf waren eigentlich alle (vorsichtig) dermaßen positiv, dass wir unsere Zelte in Irland abbrachen und in Hamburg ein neues Leben starteten.

Bitte geben Sie uns ein paar Einblicke in Ihre Arbeitsweise. Was inspiriert Sie zu Ihren Comics und Bildern? Wie gehen Sie vom ersten Entwurf bis zur fertigen Illustration vor? Arbeiten Sie mit bestimmten Materialien und Motiven besonders gern?

Das Leben inspiriert mich, das was ich selbst erlebt habe oder von anderen erzählt bekomme, das was mich berührt, womit ich Gefühle verbinden kann. Wenn diese Dinge in mir räsonieren, dann kommen automatisch Bilder, die Finger zucken und jucken und suchen einen Stift und eine Unterlage. Manchmal braucht es jedoch recht lange, bis ich eine Geschichte wirklich fertig bekomme. Da war während des Studiums und des Nebenjobs noch nicht so viel Zeit. Jetzt nach dem Abschluss wird sich das aber sicherlich ändern. Aber der Kopf ist voll und die Skizzenbücher gespickt mit Ideen. 

Meistens sind es Bilder, die mir im Kopf zu einer Geschichte umherschwirren, die skizziert werden wollen. Ich will unterschiedliche Versionen testen, fühlen wo sich die Komposition am besten macht. Dann geht’s an ein Werk oder gleich mehrere und dann wieder zurück zu Skizzen für weitere Ideen. Meistens gebiert ein fertiger Abschnitt Ideen für die nächsten Skizzen oder die darauf folgenden Skizzen sind so gut, dass die vorherige Arbeit weg und noch mal gemacht werden muss. Dies geschieht auch, weil man merkt, dass man im Prozess dazu lernt, an sich wächst. Das muss man zulassen dürfen und wollen. Darum fange ich meistens nicht auf Seite eins an, sondern mitten drin, um mich zu allen Seiten entfalten zu können – und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Ich arbeite gerne mit Texturen, ich sammle sie, digital wie analog. Teste gerne Drucke aus, fahre mit meiner Walze über Oberflächen, mache Abklatsche, freue mich über „Unfälle”, die eigentlich super sind, weil man so gerade irgendwas tolles entdeckt hat, was man brauchen kann. Und ich arbeite gern digital, mit Collagen natürlich, um meine Texturen anwenden zu können, aber auch analog mit Schere und Klebestift, mit schwarzem Buntstift und Kreide. Satte Farben mit harten und weichen Übergängen.

Bei Motiven dürfen es gerne ruhigere Bilder sein, die einen nicht direkt anschreien, sondern einen einladen, sich mit der Arbeit auseinandersetzen zu wollen, die feinen Details in sich aufzunehmen und selbst Geschichten zu finden – wenn man denn mag. Es sind dann doch die ruhigeren Bilder, mit denen ich mehr ausdrücke, auszudrücken vermag. Das ist meine ganze Art, vom großen Zeh bis zum fertigen Bild.

Wo soll es mal hingehen? / Was ist Ihr Traum? Was wollen Sie in zehn Jahren erreicht haben?

Erst mal geht’s wieder zu meinem Mann, der wartet schon in London auf mich. Mein Traum ist, dort neue Geschichten zu finden, aber auch Zeit zu haben, die eigenen Geschichten endlich mal auszuarbeiten, rauszulassen und zu Papier zu bekommen. Gleichzeitig, auch durch ein loses Künstlerkollektiv, das sich hier an der Hochschule zusammengefunden hat, Aufträge zu bekommen und, ja, die Geschichten mit Menschen teilen zu können, die ähnlich schwingen wie ich. Um dadurch die Freude und Erfüllung zu spüren, die jeder hat, wenn er seinen Platz im Leben gefunden hat. Der Künstler und Illustrator Oliver Jeffers beispielsweise hat mich da sehr inspiriert und mir den Mut gegeben, dass sowas machbar ist. 

Was ist Ihr Tipp an die zukünftigen Studierenden der University of Applied Sciences Europe im Fachbereich Art&Design? Was sollten sie an der Hochschule nutzen? Worauf sollten sie bei ihrer Entwicklung achten?

Also, wenn ich zeitreisen könnte und meinem jüngeren ich gegenüber stünde, würde ich mir Mut und einen Tritt geben. Mut um meinem Herzen zu folgen, weil dieses eigentlich genau weiß, was es will. Den Tritt, um aus der Komfortzone rauszukommen und fleißig zu sein. Mein Tipp ist daher, tief in sich reinzuhören. Dreieinhalb Jahre klingen nach viel, aber das ist schneller vorbei als man meint. Kann man das Engagement aufbringen und fühlt man tief in sich diesen unbedingten Wunsch, künstlerisch schaffen zu wollen, ist es nur noch eine Frage der Arbeitswilligkeit. Fleiß ist eine wichtige Tugend, hilft ja nix, wenn man tolle Ideen hat, sie aber nicht zu Ende bringt. Man sollte alles an der Hochschule nutzen, was einen inspiriert und interessiert, aber auch offen sein, Neues zu entdecken, über den Tellerrand blicken.

Was ist Ihr Tipp an die zukünftigen Studierenden der University of Applied Sciences Europe? Was sollten sie an der Hochschule nutzen? Worauf sollten sie bei ihrer Entwicklung achten?

Lieber zukünftiger Studierender: Schaffe dir ein kreatives Umfeld! Hat dich etwas im Unterricht gefesselt, aber noch nicht befriedigt, forsche selbst weiter, frage Dozenten und Professoren nach Tipps um Feedback. Lass alles zu und wachse damit an dir. Teste an der Hochschule in den Kursen und zuhause aus, was dich bewegt. So viel Zeit wie zu Studienzeiten hast du im Anschluss vermutlich  nicht wieder. Und wenn das auch mal heißt, dass das Feedback zwar aus der Sicht des anderen so richtig ist, aber gar nicht mit dir korrespondiert, dass du auch mal deinen Weg weitergehst, bis zum Schluss und dann selbst zurückblickst und guckst, war das jetzt richtig so? Bringt dir ja nix, wenn du dich in eine Richtung verbiegst, die du einfach nicht bist. Reflektiert und mit offenem Geist zu arbeiten, ist schließlich nicht nur als Künstler wichtig. Aber denk immer daran, dass an der Hochschule nur eine Basis, eine Plattform für dich geschaffen wird, ein Acker bereitgestellt wird, auf dem du dich austoben kannst und den du bearbeiten musst. Man ist danach nicht fertig, sondern dann fängt es erst an, dann wird’s richtig spannend.

Zum Abschluss: Beschreiben Sie Ihr Studium in drei Worten!

Alles. Wird. Gut.

In unserem Youtube Video könnt ihr noch mehr über Regina Mayr erfahren. Besucht auch gerne ihren Instagram Account.

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